KI im Architekturbüro: 6 Fragen an jedes Werkzeug
JournalVon Jonathan Uhlemann, Matthias Bigl und Ferdinand Rubenbauer

Fast jedes Büro hat inzwischen jemanden, der KI ausprobiert. Meist beginnt es mit ChatGPT, einem Entwurfstext für die Baubeschreibung oder einer Zusammenfassung eines langen Bescheids. Das funktioniert oft erstaunlich gut. Schwierig wird es bei der Frage, die im Büroalltag am meisten Zeit kostet: Was gilt für dieses Projekt, an diesem Ort, in dieser Gebäudeklasse, und wo steht das?
Dieser Beitrag ist für Büroinhaber:innen und Projektleiter:innen, die entscheiden wollen, ob und welches KI-Werkzeug ins Büro kommt. Er nennt sechs Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten, auch uns.
1. Mit welchem Recht arbeitet das Werkzeug?
Österreich hat neun Bauordnungen, und jedes Land erklärt die OIB-Richtlinien in seiner eigenen Ausgabe und zu seinem eigenen Zeitpunkt für verbindlich. Ein Werkzeug, das „das Baurecht“ nur aus seinem Training kennt, kann Ihnen nicht sagen, welcher Stand in Ihrem Bundesland gilt. Viele KI-Werkzeuge für Planungsbüros sind zudem für Deutschland gebaut: Landesbauordnungen, DIN, VOB und HOAI statt RIS und OIB.
Fragen Sie: Woher stammen die Rechtstexte? Welche Bundesländer sind abgedeckt? Wie aktuell ist der Stand, und sagt das Werkzeug, welche Fassung es verwendet?
2. Können Sie jede Antwort am Original prüfen?
Eine Antwort ohne Fundstelle ist im Planungsalltag eine Meinung. Sie brauchen den Paragrafen, den Punkt der Richtlinie oder die Seite im Plan, und zwar so, dass ein Klick die Stelle öffnet. Achten Sie darauf, ob die Quelle nur angehängt oder auch geprüft wird: Sprachmodelle erfinden gelegentlich Zitate, die plausibel aussehen.
Fragen Sie: Wird jede Fundstelle gegen den Quelltext geprüft, bevor sie erscheint? Öffnet sie an der zitierten Stelle?
3. Arbeitet es mit Ihren eigenen Unterlagen?
Die meisten Fragen hängen nicht am Gesetz allein, sondern am Gesetz und Ihrem Projekt: dem Bebauungsplan, dem Bescheid, dem Schnitt. Und oft an Ihrem Büro: Wie haben wir dieses Detail beim letzten Wohnbau gelöst? Ein Werkzeug, das nur Rechtstexte durchsucht, beantwortet die halbe Frage.
Fragen Sie: Kann das Werkzeug Pläne lesen, auch als Bild? Durchsucht es das Archiv des Büros? Sind die Unterlagen eines Büros von denen anderer Büros getrennt?
4. Sagt es, was fehlt?
Das unterschätzte Merkmal eines guten Werkzeugs ist, dass es zugibt, was es nicht weiß. Fehlt der Bebauungsplan, sollte die Antwort das sagen, statt so zu klingen, als hätte sie ihn gelesen. Fehlt die Gebäudeklasse, sollte es nachfragen oder die Annahme offenlegen.
Fragen Sie: Was passiert, wenn eine entscheidende Unterlage fehlt? Zeigt die Antwort ihre Annahmen?
5. Was passiert mit Ihren Daten?
Pläne, Ausschreibungen und unveröffentlichte Projekte sind vertraulich. Fragen Sie konkret, nicht allgemein: Wer verarbeitet die Anfragen, in welchem Land, und wird mit Ihren Daten trainiert? Ein Anbieter, der das offen beantwortet, auch wenn die Antwort nicht in jedem Punkt ideal ist, ist vertrauenswürdiger als einer, der nur „sicher“ sagt.
Wir sagen es so: Piloti trainiert keine Modelle mit Ihren Daten, Pläne bleiben Eigentum Ihres Büros, die Anmeldung läuft über WorkOS (USA) und KI-Anfragen über OpenRouter (USA) an Modellanbieter, die auch außerhalb der EU sitzen können. Die Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.
Fragen Sie: Welche Anbieter sind beteiligt? Wird mit meinen Daten trainiert? Wem gehören die Unterlagen?
6. Bleibt die Antwort im Chat liegen?
Eine gute Antwort, die in einem Chatverlauf verschwindet, hilft dem Projekt wenig. Fragen Sie, ob aus einer Antwort ein Aktenvermerk, eine Checkliste oder ein Prüfbericht im Projekt werden kann, ob das Team darauf zugreift und ob offene Punkte nachverfolgt werden.
Checkliste für das erste Gespräch
- Welche Rechtsquellen, welche Bundesländer, welcher Stand?
- Fundstelle bis auf Paragraf, Punkt oder Seite, geprüft und anklickbar?
- Eigene Pläne und Büroarchiv als Quelle, getrennt von anderen Büros?
- Umgang mit fehlenden Unterlagen und offenen Annahmen?
- Beteiligte Anbieter, Training, Eigentum an den Daten?
- Wird aus der Antwort ein Dokument im Projekt?
Der ehrlichste Test
Keine Checkliste ersetzt eine echte Frage. Nehmen Sie eine Frage aus einem laufenden Projekt, deren Antwort Sie schon kennen, und stellen Sie sie jedem Werkzeug, das Sie in Betracht ziehen. Achten Sie weniger darauf, wie flüssig die Antwort klingt, als darauf, ob Sie jede Aussage am Original wiederfinden.
Wenn Sie Piloti dabei haben wollen: Schicken Sie uns die Frage, und wir zeigen Ihnen die Antwort. Warum wir Piloti so gebaut haben, steht auf Warum Piloti; wie es sich von Reiner AI unterscheidet, im Vergleich.